Das Ende der Welt (1)

09.06.2017

Episode 1:

Ronald Reagan



1981 interessierte mich Politik nicht die Bohne. Helmut Schmidt war Bundeskanzler und lieferte eine gute Show. Die SPD war noch weit davon entfernt geschrödert zu werden und Privatfernsehen gab es auch noch nicht. Kein Grund sich Sorgen zu machen.


Doch in jenem Jahr wurde Ronald Reagan Präsident der USA und man erklärte mir, dies sei das Ende der Welt.


Der dritte Weltkrieg wurde in Aussicht gestellt, denn damals gab es noch die Sowjetunion und Atomraketen. Ronald Reagan traute man zu den roten Knopf zu drücken, ob aus Bock oder Dummheit, egal, er würde es tun, heiß es.


Und tatsächlich kündigte er eines Tages die Bombardierung Russlands an. Nur so aus Bock, zum Scherz.



Für alle, die ihre 5 Sinne noch beisammen hatten, war Reagan inakzeptabel. Ein greiser Knattermime mit einem Weltbild das so schwarz/weiß war, wie die B-Movies in denen er aufgetreten war. Ich meine - ein Schauspieler! Für deutsche Intellektuelle hätte dies jeden Politiker disqualifiziert, egal wofür er stand. 1981 ging man in Deutschland noch nicht mal ins Kino, sondern selbstredend ins Theater!


Der wichtigste deutsche Film hieß 1981 "Die Bleierne Zeit" und nur die Härtesten guckten ihn im Kino, die meisten schliefen ein halbes Jahr später vor dem Fernseher dabei ein. Damals™ waren deutsche Intellektuelle viel radikaler, viel eindeutiger anti-kapitalistisch, anti-amerikanisch und anti-dies oder anti-das als heute. Damals™ schienen sie ihr Lebensglück dem Widerstand gegen den "Militärisch-Industriellen Komplex" geopfert zu haben, wollten Hitler verhindern und "den Faschismus" bis zur letzten Phrase bekämpfen.


Mir ging das alles auf die Nerven. Die deutschen Linken noch mehr als Ronald Reagan, denn dass der ein Idiot war, war klar. Eine offene Tür. Aber mit den stereotypen Parolen der Linken wurde man alle Nase lang bombardiert, so wie Reagan es gern mit den Russen getan hätte.


Ich stand auf mehr auf Gil Scott Heron, denn dessen Protest war cool und ging in die Beine:



Oder Frankie Goes To Hollywood, besonders diese seltene 12" Maxi Version von "Two Tribes":



Und während Ronald Reagan mit seinen "Reaganomics" als Erster neoliberale "Reformen" durchzog, in dem er Steuern für Unternehmen und Reiche senkte und alles deregulierte, was nicht bei 3 auf den Bäumen war, gründete man in Deutschland die Grünen.


Irgendwann ging mit den 80gern auch die Ära Reagan zu Ende und die Welt war nicht untergegangen. Das Bombardement linker Parolen hörte auf, denn plötzlich fiel die Mauer. Es gab Hoffnung, dass Kohl abgewählt würde und es bestand die Aussicht, dass man sich nun mit den eigentlichen Fragen würde beschäftigen können, nämlich wie man eine moderne, gerechte, lebenswerte Zukunft gestalten könnte.


Dachte ich, denn ich interessierte mich immer noch nicht für Politik… .