Darlings

09.10.2017

Aus Sie hat Heimat gesagt:

Eva Illouz:

Der rechte Populismus floriert, weil die Welt der arbeitenden Schichten vom Konzernkapitalismus zerstört und von den kulturell fortschrittlichen Eliten entwertet wurde, nachdem diese ihre intellektuellen und politischen Energien seit den Achtzigerjahren auf sexuelle und kulturelle Minderheiten konzentrierten…

Mit anderen Worten: Die Nöte der arbeitenden Schichten sind für Lehrer und Journalisten, für Funktionäre und Künstler, für Designer und Ärzte schon lange nicht mehr sexy. Ihre neuen Darlings sind Schwule und Flüchtlinge.

Steile These, aber was sind "arbeitende Schichten"? Kleine Leute, die keine Reichtümer anhäufen können?

Ok - Hand heben wer "kleine Leute" kennt. Nein, ich meine echte "kleine Leute", keine gescheiterten Bildungsbürger oder verkrachte Kreative.

Ich meine zum Beispiel …Taxifahrer.

Hat Jemand schon mal versucht ein erhellendes Gespräch mit einem Taxifahrer zu führen? Ich mache das manchmal und frage mich, ob man es den Eliten eigentlich verdenken kann, wenn ihnen die Ehe von Homosexuellen mehr zu Herzen geht, als die störrische Ignoranz des Proletariers.

Die Welt der kleinen Leute sei "entwertet" worden, heisst es. Das bedeutet in etwa, dass die Arbeit, die sie verrichten, zwar noch als nötig erachtet wird, aber eigentlich wartet man nur darauf sie abzuschaffen. Es bedeutet, dass ihr Lohn eigentlich nur noch lästig ist und dass sie sich eine Würde sowieso nicht verdient haben.

Es bedeutet aber auch ein Flugzeug voller enthemmter Angestellter am Strand von Mallorca, die grölen "Wir haben das Geld!". Es bedeutet eventbereite Massen, die Brot und Spiele wollen und nicht "mehr Demokratie wagen". Leute, denen man die Bedrohung ihrer eigenen Welt so viel erklären kann, wie man will und die es nie wahrhaben wollen. Bildzeitung, Glotze und Helene Fischer über alles.

Kann man es den kulturell fortschrittlichen Eliten übel nehmen, wenn ihnen die Befindlichkeit solcher Leute längst wurscht ist? Ein einzelner unverheirateter Homosexueller ist allein um ein vielfaches unterhaltsamer, kultivierter und amüsanter als 10 verheiratete Paare, z.B. aus dem Kleingarten-Milieu.

Und dann der Flüchtling - er ist so etwas wie die Wiedergeburt des edlen Wilden. An ihm kann man als kulturell fortschrittliche Elite die eigenen Sünden des eigenen hemmungslosen Konsums auf Kosten der 3ten Welt wieder gut machen. Ein Ablass-Handel, geradezu katholisch.

Der Taxifahrer berichtet von einer Welt die vulgär ist. Er berichtet von Wohlstandsverwahrlosung, von Verrohung und unverhohlener Verachtung vom Rücksitz.

Es sind Backstage-Berichte aus der Welt jener "kulturell fortschrittlichen" Eliten.